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Grüne fordern Innovationen im Rad- und Fußverkehr

| Presse 

Die Fahrradbranche boomt, Tagestourist*innen und Urlauber*innen schwirren wieder aus. In den Pfingstferien haben sich Fahrradfahrer*innen und Fußgänger*innen auf der Friedrichstraße getummelt. Für Abstandsregeln gab’s keine Chance. Die Grünen Fraktion fordert die Stadtverwaltung zum schnellen Handeln auf. „Wir wünschen uns ein größeres Augenmerk auf den Rad- und Fußverkehr“, sagt Felix Bohnacker, Stadtrat der zweitstärksten Fraktion.

Vor einigen Wochen hatte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) 239 Städte angeschrieben und aufgefordert, zur Förderung des Fahrradverkehrs Pkw-Spuren freizugeben und flächendeckend Tempo 30 einzurichten. Aber Friedrichshafens OB Andreas Brand lehnte mit Verweis auf die Empfehlung des Deutschen Städtetags ab. „Natürlich sind wir hier nicht Berlin oder Bogota und wir wollen uns nicht mit diesen Metropolen vergleichen“, sagt Felix Bohnacker. „Aber wir liegen am Bodensee, wo zu den unzähligen Alltagsradler*innen im Sommer noch zig Tausend Tourist*innen hinzukommen.“

Allein auf der Friedrichstraße gibt es jeden Tag brenzlige Situationen und Konflikte zwischen Radler*innen und Fußgänger*innen. „Der gemeinsame Geh- und Radweg ist viel zu schmal für die Menge die Menschen, die sich dort bewegen“, findet Stadträtin Regine Ankermann. Außerdem widersprächen sich die Gestaltung (getrennter Geh-/ Radweg) und die Beschilderung (gemeinsamer Geh-/ Radweg).

Ungelöst ist auch leider immer noch die Alternativroute vom Alten Friedhof über die Schiller- und Möttelistraße und das neue Brückle in die Stadt. „Am Bahnhof geht’s nicht weiter“, kritisiert Christine Heimpel. „Hier warten wir schon seit Monaten auf eine Antwort der Stadtverwaltung.“

Generell erwartet die Grünen-Fraktion mehr Innovationen von den städtischen Verkehrsplanern.

 

Ja zu sichtbaren Fahrradstraßen

Auch die angekündigten Fahrradstraßen Klosterstraße und Schlossstraße möchte die zweitstärkste Fraktion zeitnah umgesetzt sehen – mit entsprechender Fahrbahnmarkierung, um die Autofahrer*innen auf die besonderen Verkehrsregeln auf diesen Straßen hinzuweisen. „Im Zuge dessen sollte man auch die bereits vorhandene Fahrradstraße Schmidstraße entsprechend markieren, die bedauerlicherweise nur schwer als solche erkennbar ist“, sagt Regine Ankermann.

Gleichzeitig sollte die Stadt mehr für den Fußverkehr tun. „Uns ist es schleierhaft, warum sich die Stadt nicht längst um einen kostenlosen Fußverkehrs-Check beworben hat“, sagt die Fraktionsvorsitzende Anna Hochmuth. „Entsprechende Maßnahmen in dieser Hinsicht kämen auch Menschen mit Rollatoren oder Rollstühlen und Eltern mit Kinderwagen entgegen“, findet Regine Ankermann. „In Sachen Barrierefreiheit hat Friedrichshafen durchaus Nachholbedarf“, bestätigt Fraktionskollegin Stephanie Glatthaar.

Gerhard Leiprecht ärgert es, dass Fußgänger*innen den geforderten Mindestabstand oft nicht einhalten können, weil der Gehweg zu schmal ist oder Autos ihn halbseitig zuparken dürfen. Er plädiert für eine Neuaufteilung des Verkehrsraums. „Zu Fuß muss ich mich oft an Hauswänden oder Hecken vorbeiquetschen, während die Straßen so breit sind, dass noch auf jeder Seite Autos parken können. In meinen Augen ist das kostenlose Abstellen von Autos im öffentlichen Raum – finanziert durch alle Bürgerinnen und Bürger – eine völlige Fehlentwicklung der letzten Jahrzehnte“, so Leiprecht.

Es ist damit zu rechnen, dass die gesamte Bodenseeregion und auch Friedrichshafen davon profitiert, dass viele Familien nach dem Corona-Lockdown Urlaub im eigenen Land machen. Ob die Stadt dafür gerüstet ist, bezweifelt die Grünen-Fraktion gleich in mehrfacher Hinsicht. „In Friedrichshafen gibt es keine EchtBodenseeCard, keinen attraktiven Bodenseeradweg und ein schlechtes Fußverkehrsnetz“, so das Urteil.

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